Progesteronwerte im Zyklus: Normwerte und Tabelle
Kurz gesagt: Progesteron ist vor dem Eisprung niedrig und steigt danach deutlich an. Gemessen wird in der mittleren Lutealphase, etwa sieben Tage nach dem Eisprung – nicht pauschal am 21. Zyklustag. Für die Umrechnung gilt nach der SI-Units-Tabelle von Quest Diagnostics der Faktor 3,18: ng/ml mal 3,18 ergibt nmol/l. Ein einzelner Wert sagt wenig aus, weil Progesteron stoßweise ausgeschüttet wird: Bei Filicori und Kollegen (1984) schwankten die Werte einzelner Frauen innerhalb eines Tages um das Zehn- bis Zwölffache.
Auf dem Laborbefund steht eine Zahl, daneben ein Bereich, beides in einer Einheit, die man vorher nie gesehen hat. Ob der Wert gut ist, steht nicht dabei – und die erste Suchmaschinen-Antwort liefert eine Tabelle in einer anderen Einheit als der eigene Befund.
Dieser Artikel klärt vier Dinge: was in welcher Zyklusphase zu erwarten ist, wie ng/ml und nmol/l zusammenhängen, wann gemessen werden sollte und warum eine einzelne Zahl weniger bedeutet, als sie scheint. Was eine Gelbkörperschwäche ist und wie sie sich äußert, steht dagegen unter Symptome der Gelbkörperschwäche.
Was Progesteron im Zyklus macht
Nach dem Eisprung wandelt sich der gesprungene Follikel in den Gelbkörper um, und dieser produziert Progesteron. Das Hormon baut die Gebärmutterschleimhaut so um, dass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Bleibt die Einnistung aus, geht der Gelbkörper zugrunde, der Progesteronspiegel fällt, und die Blutung setzt ein.
Daraus folgt der ganze Rest dieses Artikels: Vor dem Eisprung ist Progesteron niedrig, danach hoch, und der Messwert ist nur interpretierbar, wenn man weiß, an welcher Stelle dieses Verlaufs gemessen wurde.
Progesteronwerte im Zyklusverlauf: die Tabelle
| Zyklusphase | Zeitpunkt | ng/ml | nmol/l |
|---|---|---|---|
| Follikelphase | Vor dem Eisprung | unter 1 | unter 3,18 |
| Zyklusmitte | Um den Eisprung herum | 5–20 | 15,90–63,60 |
Quelle: Beide Zeilen geben die Referenzwerte wieder, die UCSF Health (Stand 1. April 2023) für Progesteron im Serum angibt – dort unter den Bezeichnungen „Female (pre-ovulation)" und „Female (mid-cycle)". Die nmol/l-Werte stehen dort ebenfalls und sind nicht von uns umgerechnet. Einen eigenen Referenzbereich für die mittlere Lutealphase, also rund sieben Tage nach dem Eisprung, nennt diese Quelle nicht. Es sind die Bereiche eines einzigen Anbieters – dein Labor kann andere angeben, und maßgeblich ist immer der Bereich auf deinem Befund.
Diese Bereiche sind an der Zyklusmitte ausgerichtet, gemessen wird aber in der mittleren Lutealphase – rund eine Woche später, wenn der Gelbkörper seine höchste Aktivität hat. Für genau diesen Zeitpunkt veröffentlicht nicht jedes Labor einen eigenen Bereich. Umso mehr zählt der, der auf deinem Befund steht.
Neben dem Referenzbereich gibt es Schwellenwerte, die eine ganz bestimmte Frage beantworten sollen. Sie sind nicht dasselbe.
| Frage | Schwelle | Was sie belegt |
|---|---|---|
| Hat ein Eisprung stattgefunden? | über 3 ng/ml (rund 9,5 nmol/l) in der mittleren Lutealphase | Rückblickender Nachweis eines Eisprungs |
| Hat ein Eisprung stattgefunden, gemessen zu beliebigem Zeitpunkt? | ab 5 ng/ml (rund 15,9 nmol/l) | Sensitivität 89,6 Prozent, Spezifität 98,4 Prozent |
| Ist die Lutealfunktion ausreichend? | kein Wert definiert | Nichts – es existiert kein solcher Grenzwert |
Quelle: Die Schwellen von 3 ng/ml und 5 ng/ml sowie die Angaben zu Sensitivität und Spezifität stammen aus der Übersichtsarbeit von Su HW und Kollegen (2017). Die nmol/l-Werte in Klammern sind von der Redaktion mit dem Faktor 3,18 umgerechnet und stehen so nicht in der Quelle. Die dritte Zeile stützt sich auf die Committee Opinion der Practice Committees der ASRM und SREI (2021), die festhält, dass kein Mindestwert an Serum-Progesteron eine normale oder fruchtbare Lutealfunktion definiert.
ng/ml oder nmol/l: warum dein Befund zwei Einheiten kennt
Deutsche Laborbefunde verwenden beide Einheiten, internationale Tabellen fast durchgehend ng/ml. Der Unterschied ist keine Frage der Genauigkeit: ng/ml ist eine Massenkonzentration – wie viel Substanz nach Gewicht in einem Milliliter steckt. nmol/l ist eine Stoffmengenkonzentration – wie viele Moleküle in einem Liter stecken. Der Umrechnungsfaktor folgt aus der Molmasse und ist deshalb für jeden Stoff ein anderer.
Für Progesteron beträgt er 3,18 – so gibt ihn die SI-Units-Umrechnungstabelle von Quest Diagnostics an. Ein Wert in ng/ml mal 3,18 ergibt nmol/l, ein Wert in nmol/l geteilt durch 3,18 ergibt ng/ml.
Zwei von der Redaktion gerechnete Beispiele: 15 ng/ml entsprechen rund 47,7 nmol/l, 30 nmol/l rund 9,4 ng/ml. Wer Werte aus zwei Quellen vergleicht, sollte vorher umrechnen – der Unterschied um den Faktor gut drei ist groß genug, um aus einem unauffälligen Wert einen beunruhigenden zu machen.
Der richtige Messzeitpunkt
Gemessen wird in der mittleren Lutealphase, etwa sieben Tage nach dem Eisprung. Dann hat der Gelbkörper seine höchste Aktivität, und ein niedriger Wert ist am ehesten aussagekräftig.
In der Praxis wird daraus der 21. Zyklustag – und das stimmt nur, wenn der Eisprung an Tag 14 stattgefunden hat. Genau das ist der wunde Punkt. Bei Park SJ und Kollegen (2007) dauerte die erste Zyklushälfte im Mittel 17 Tage bei einer Spanne von 10 bis 29 Tagen – dort bis zum LH-Höhepunkt gerechnet, während der Anstieg im Mittel schon an Zyklustag 14,5 begann und im Einzelfall zwischen Tag 9 und Tag 26. Bei Leiva RA und Kollegen (2017) lag die erste Zyklushälfte im Mittel bei 14,8 Tagen mit einer Spanne von 9 bis 33 Tagen. Die zweite Zyklushälfte war in beiden Untersuchungen deutlich konstanter, im Mittel 12,1 beziehungsweise 13,4 Tage.
Ein Rechenbeispiel der Redaktion: Bei einem Eisprung an Tag 18 misst die Blutentnahme am 21. Zyklustag drei Tage danach – deutlich vor dem Höhepunkt. Wer den eigenen Eisprung nicht kennt, misst leicht am falschen Tag. Wie du ihn bestimmst, steht unter Eisprung genau berechnen.
Warum ein einzelner Wert wenig aussagt
Das ist die wichtigste Aussage dieses Artikels, und sie ist gut belegt.
Filicori M, Butler JP und Crowley WF Jr haben 1984 bei 15 Frauen über 24 Stunden alle 10 Minuten Blut abgenommen; in sechs dieser Untersuchungen wurde zusätzlich Progesteron bestimmt. Bei einzelnen Frauen schwankten die Werte innerhalb dieses einen Tages um das Zehn- bis Zwölffache – bei einer Teilnehmerin in der mittleren Lutealphase zwischen 4,1 und 40,1 ng/ml, bei einer anderen in der späten Lutealphase zwischen 2,3 und 27,2 ng/ml. Die Anstiege folgten den LH-Pulsen mit einem zeitlichen Versatz von 25 bis 55 Minuten – Progesteron wird also nicht gleichmäßig abgegeben, sondern stoßweise.
Für den Laborbefund bedeutet das etwas sehr Konkretes: Zwei Blutentnahmen bei derselben Frau am selben Tag können sich um ein Vielfaches unterscheiden, ohne dass sich an ihrer Gelbkörperfunktion irgendetwas geändert hätte. Eine einzelne Zahl misst nicht den Zustand, sondern einen Moment.
Deshalb arbeiten Studien zur Zyklusbeobachtung häufig mit Hormonabbauprodukten im Urin statt mit Serum – Park und Kollegen begründen ihre Wahl damit, dass Urinwerte einen gepoolten Wert über mehrere Stunden abbilden und nicht der minütlichen Schwankung des Bluts unterliegen. Und deshalb hält die Committee Opinion der ASRM und SREI (2021) fest, dass es derzeit keinen reproduzierbaren und klinisch praktikablen Standard gibt, um eine Lutealphasendefizienz zu diagnostizieren.
Was ein Referenzbereich ist – und was er nicht ist
Ein Referenzbereich beschreibt, welche Werte bei einer Vergleichsgruppe gemessen wurden. Er ist keine Grenze zwischen gesund und krank, und er gilt nur für das Labor, das ihn angibt. UCSF Health weist bei seinen Progesteronwerten ausdrücklich darauf hin, dass Referenzbereiche zwischen Laboren abweichen können und unterschiedliche Messmethoden im Einsatz sind.
Daraus folgen zwei Dinge. Erstens: Vergleiche deinen Wert immer mit dem Bereich, der auf deinem eigenen Befund steht, nicht mit einer Tabelle aus dem Internet – auch nicht mit der oben. Zweitens: Ein Wert außerhalb des Bereichs ist keine Diagnose. Er ist ein Anlass, mit der Person zu sprechen, die den Befund angefordert hat.
Was ein niedriger Wert bedeuten kann
Ein niedriger Progesteronwert hat mehrere mögliche Erklärungen, und sie sind nicht gleich wahrscheinlich:
Falscher Zeitpunkt. Zu früh oder zu spät im Verhältnis zum tatsächlichen Eisprung gemessen. Das ist der häufigste Grund, wenn nach Zyklustag statt nach Eisprung gemessen wurde.
Zufälliger Tiefpunkt. Die Entnahme hat einen Tiefpunkt der stoßweisen Ausschüttung erwischt.
Kein Eisprung in diesem Zyklus. Dann bleibt der Wert niedrig, weil kein Gelbkörper entstanden ist.
Tatsächlich eingeschränkte Gelbkörperfunktion. Möglich, aber nach den Fachgesellschaften mit einem einzelnen Wert nicht feststellbar.
Bei einem Verdacht sind der Zyklusverlauf über mehrere Monate und die Länge der zweiten Zyklushälfte aussagekräftiger als eine einzelne Blutentnahme. Die Kriterien dafür stehen unter Lutealphase zu kurz; welche Maßnahmen untersucht sind und welche nicht, steht unter was sich gegen eine kurze Lutealphase tun lässt. Welche Rolle Progesteron beim Aufbau der Schleimhaut spielt, ist unter Zeitpunkt der Einnistung beschrieben.
Du willst wissen, wann du messen lassen solltest?
Der kostenlose Rechner bestimmt aus deiner eigenen Zykluslänge den wahrscheinlichen Eisprung – daraus ergibt sich der Zeitraum rund sieben Tage später, in dem eine Progesteronbestimmung aussagekräftig ist.
Jetzt Eisprung und Schwangerschaftschance berechnenHäufige Fragen
Wann sollte Progesteron im Zyklus gemessen werden?
In der mittleren Lutealphase, also etwa sieben Tage nach dem Eisprung. Der oft genannte 21. Zyklustag trifft nur dann zu, wenn der Eisprung tatsächlich an Tag 14 stattgefunden hat. Bei Park SJ und Kollegen (2007) dauerte die erste Zyklushälfte, dort bis zum LH-Höhepunkt gerechnet, im Mittel 17 Tage bei einer Spanne von 10 bis 29 Tagen. Ohne bekannten Eisprungtermin sagt ein Wert vom 21. Zyklustag deshalb wenig aus.
Ab welchem Progesteronwert spricht man von einem Eisprung?
Als rückblickender Nachweis eines Eisprungs wird in der Übersichtsarbeit von Su HW und Kollegen (2017) ein einzelner Serumwert über 3 ng/ml in der mittleren Lutealphase genannt. Für eine Messung zu einem beliebigen Zeitpunkt berichtet dieselbe Arbeit einen Schwellenwert ab 5 ng/ml mit einer Sensitivität von 89,6 Prozent und einer Spezifität von 98,4 Prozent. Wichtig ist der Unterschied zwischen zwei Fragen – dass ein Eisprung stattgefunden hat, lässt sich so belegen. Dass die Lutealfunktion ausreichend ist, nicht.
Wie rechne ich ng/ml in nmol/l um?
Für Progesteron gilt nach der SI-Units-Tabelle von Quest Diagnostics der Umrechnungsfaktor 3,18. Ein Wert in ng/ml multipliziert mit 3,18 ergibt den Wert in nmol/l, ein Wert in nmol/l geteilt durch 3,18 ergibt ng/ml. Aus 15 ng/ml werden damit rund 47,7 nmol/l, aus 30 nmol/l rund 9,4 ng/ml. Der Faktor ergibt sich aus der Molmasse von Progesteron und ist deshalb für dieses Hormon fest.
Was bedeutet ein niedriger Progesteronwert für den Kinderwunsch?
Zunächst weniger, als man annimmt. Ein niedriger Wert kann bedeuten, dass zu früh oder zu spät gemessen wurde, dass in diesem Zyklus kein Eisprung stattgefunden hat oder dass die Messung einen Tiefpunkt der pulsatilen Ausschüttung erwischt hat. Die Committee Opinion der ASRM und SREI (2021) hält ausdrücklich fest, dass kein Mindestwert eine normale oder fruchtbare Lutealfunktion definiert. Ein einzelner niedriger Wert ist deshalb ein Anlass für ein Gespräch mit der behandelnden Ärztin, keine Diagnose.
Warum unterscheiden sich die Referenzbereiche zwischen Laboren?
Weil Labore unterschiedliche Messverfahren und unterschiedliche Geräte einsetzen und ihre Referenzbereiche an der eigenen Methode und der eigenen Vergleichsgruppe ausrichten. Deshalb gilt immer der Referenzbereich, der auf deinem eigenen Befund neben dem Messwert steht – und nicht der aus einer Tabelle im Internet.
Dieser Artikel basiert auf: Filicori M, Butler JP, Crowley WF Jr (1984), Neuroendocrine regulation of the corpus luteum in the human. Evidence for pulsatile progesterone secretion, The Journal of Clinical Investigation 73:1638–1647 · Practice Committees of the American Society for Reproductive Medicine and the Society for Reproductive Endocrinology and Infertility (2021), Diagnosis and treatment of luteal phase deficiency: a committee opinion, Fertility and Sterility 115:1416–1423 · Su HW, Yi YC, Wei TY, Chang TC, Cheng CM (2017), Detection of ovulation, a review of currently available methods, Bioengineering and Translational Medicine 2:238–246 · Park SJ, Goldsmith LT, Skurnick JH, Wojtczuk A, Weiss G (2007), Characteristics of the urinary luteinizing hormone surge in young ovulatory women, Fertility and Sterility 88:684–690 · Leiva RA, Bouchard TP, Abdullah SH, Ecochard R (2017), Urinary Luteinizing Hormone Tests: Which Concentration Threshold Best Predicts Ovulation?, Frontiers in Public Health 5:320 (Corrigendum: Frontiers in Public Health 6:345, 2018) · UCSF Health (2023), Serum progesterone, Stand 1. April 2023 · Quest Diagnostics, International System of Units – SI Units, Umrechnungsfaktoren für Laborwerte
