Ovulationstest richtig anwenden und auswerten

Ovulationsteststreifen auf einer Ablage neben Zyklusnotizbuch, Stift und Timer

Kurz gesagt: Ein Ovulationstest misst das luteinisierende Hormon (LH) im Urin. Der Anstieg beginnt im Mittel rund 34 Stunden vor dem Eisprung (Erden und Kollegen 2022), nach einem positiven Test folgt der Follikelsprung meist innerhalb von etwa 20 Stunden (Su und Kollegen 2017). Positiv ist ein Test erst, wenn die Testlinie mindestens so kräftig ist wie die Kontrolllinie – anders als beim Schwangerschaftstest zählt ein schwacher zweiter Strich nicht. Als Startpunkt rechnet die Redaktion Zykluslänge minus 18 Tage, bei schwankenden Zyklen auf den kürzesten Zyklus.

LH-Tests werden in Apotheken verkauft, in Foren weitergereicht und auch auf dieser Website empfohlen – erklärt wird selten, wie man sie einsetzt. Daran scheitern sie: Der Streifen wird zu spät ausgepackt, zu selten benutzt oder falsch gelesen.

Dieser Artikel geht die Punkte durch, an denen es hakt: Startzeitpunkt, Linien lesen, Abstand zum Eisprung, Fehlerquellen. Welche Methode insgesamt zu dir passt, klärt der Vergleich der vier Methoden zur Eisprungbestimmung.

Testzeitraum berechnen

Was ein Ovulationstest misst – und warum er vorausschaut

Kurz vor dem Eisprung erreicht der Östrogenspiegel eine Schwelle, die in der Hirnanhangsdrüse eine plötzliche LH-Ausschüttung auslöst. Dieser Anstieg ist das Signal für den Eisprung – und im Urin messbar, bevor der Eisprung stattfindet. Darin liegt der Unterschied zur Basaltemperatur, die erst danach steigt und den Eisprung nur rückblickend bestätigt.

Welche Kurvenformen dabei vorkommen und wie du sie liest, steht unter typische Temperaturkurven verstehen.

Wie groß der Vorlauf ist, hängt davon ab, welche Studie man liest. Die Metaanalyse von Erden M und Kollegen (2022) kommt auf im Mittel 33,9 Stunden zwischen dem Beginn des LH-Anstiegs und dem Eisprung (sechs Studien, 187 Zyklen), Spannweite 22 bis 56 Stunden; die Übersichtsarbeit von Su HW und Kollegen (2017) nennt 35 bis 44 Stunden. Die Abweichung kommt daher, dass die Studien den Beginn eines Anstiegs unterschiedlich definiert haben. Praktisch heißt das: Ein positiver Test bedeutet „in den nächsten ein bis zwei Tagen“, nicht „in exakt 36 Stunden“.

Wann du im Zyklus mit dem Testen beginnst

Der Eisprung liegt nicht in der Zyklusmitte, sondern rund 14 Tage vor der nächsten Blutung. Die zweite Zyklushälfte ist die konstantere: Bei Park SJ und Kollegen (2007) lag sie im Mittel bei 12,1 Tagen, bei Leiva RA und Kollegen (2017) bei 13,4 Tagen, während die erste Zyklushälfte in denselben Untersuchungen zwischen 10 und 29 beziehungsweise 9 und 33 Tagen schwankte. Deshalb wird vom Zyklusende her gerechnet.

Diagramm zum Teststart für Ovulationstests nach Zykluslänge
Visuelle Zusammenfassung: Der Teststart liegt jeweils vier Tage vor dem rechnerischen Eisprung.
Zykluslänge rechnerischer Eisprung frühester Teststart
24 Tage Zyklustag 10 Zyklustag 6
26 Tage Zyklustag 12 Zyklustag 8
28 Tage Zyklustag 14 Zyklustag 10
30 Tage Zyklustag 16 Zyklustag 12
32 Tage Zyklustag 18 Zyklustag 14
35 Tage Zyklustag 21 Zyklustag 17

Quelle: Die Werte dieser Tabelle stammen nicht aus einer Studie, sondern sind von der Redaktion gerechnet. Die Spalte „rechnerischer Eisprung“ zieht 14 Tage von der Zykluslänge ab – bewusst mehr als die gemessenen Mittelwerte der zweiten Zyklushälfte, für die Park SJ und Kollegen (2007) 12,1 Tage (Spanne 9–16) und Leiva RA und Kollegen (2017) 13,4 Tage (Spanne 7–17) berichten. Der größere Abzug verlegt den Teststart nach vorn, und das ist Absicht: Ein verpasster LH-Anstieg kostet einen ganzen Zyklus, ein Teststreifen ein paar Cent. Der Vorlauf von vier Tagen folgt der Angabe in Su HW und Kollegen (2017).

Das ist eine Schätzung, keine Zusage: Bei Park und Kollegen begann der LH-Anstieg im Mittel an Zyklustag 14,5, im Einzelfall zwischen Tag 9 und Tag 26. Schwanken deine Zyklen um mehr als vier Tage, rechne mit dem kürzesten der letzten sechs Monate – wie du dann vorgehst, steht unter fruchtbare Tage bei unregelmäßigem Zyklus bestimmen.

Wie du die Testlinie richtig liest

LH ist im Urin immer vorhanden, auch weit weg vom Eisprung: Park SJ und Kollegen (2007) maßen vor Beginn des Anstiegs einen Ausgangswert von im Mittel 6,7 Milli-Internationalen Einheiten pro Milligramm Kreatinin. Ein blasser zweiter Strich zeigt diesen Grundspiegel – er ist kein „fast positiv“.

Als positiv gilt der Test erst, wenn die Testlinie mindestens so kräftig ist wie die Kontrolllinie. Der Grund ist die Bauweise: Ovulationstests sind Schwellentests, sie schlagen erst oberhalb einer festgelegten LH-Konzentration an. Diese Schwelle unterscheidet sich zwischen Herstellern erheblich – Leiva RA und Kollegen (2017) fanden Angaben zwischen 20 und 50 Milli-Internationalen Einheiten pro Milliliter und keinen Konsens darüber, welche richtig ist. Am besten schnitten 25 bis 30 ab, mit einem positiven Vorhersagewert von 50 bis 60 Prozent. Die Autoren fordern, dass Hersteller ihre Schwelle offenlegen.

Genau hier unterscheiden sich Ovulations- und Schwangerschaftstest: hCG kommt im nicht schwangeren Zyklus normalerweise nicht vor, deshalb zählt dort jede sichtbare zweite Linie. Wie schwache Linien beim Schwangerschaftstest einzuordnen sind, steht unter ab wann ein Schwangerschaftstest zuverlässig ist.

Wann der Eisprung nach einem positiven Test folgt

Der bei Su HW und Kollegen (2017) berichtete mittlere Abstand zwischen positivem Urin-LH-Test und dem im Ultraschall sichtbaren Follikelsprung liegt bei 20 Stunden (Konfidenzintervall 14 bis 26). Die dort zitierte Laborleitlinie nennt als praktische Regel 48 Stunden. Leiva und Kollegen kommen zum selben Bild – am besten trifft die Vorhersage für die 24 Stunden nach dem ersten positiven Test zu.

Fürs Timing folgt daraus etwas Unbequemes: Der positive Test markiert nicht den Anfang der fruchtbaren Zeit, sondern deren Ende. Die höchsten Werte liegen ein bis zwei Tage vor dem Eisprung – die Zahlen stehen unter Schwangerschaftswahrscheinlichkeit an den fruchtbaren Tagen.

Ob Timing per Test am Ende zu mehr Schwangerschaften führt, war lange schwächer belegt, als man erwarten würde – die Datenlage hat sich inzwischen gebessert. Der aktualisierte Cochrane-Review von Gibbons T und Kollegen (2023) wertete sieben Studien mit 2.464 Frauen beziehungsweise Paaren aus. Für Urin-Ovulationstests gegenüber keinem gezielten Timing fand er ein relatives Risiko von 1,36 für die Lebendgeburt (1,02 bis 1,81, eine Studie mit 844 Teilnehmerinnen) und 1,28 für eine klinische Schwangerschaft (1,09 bis 1,50, 2.202 Teilnehmerinnen). Die Evidenzqualität bewerten die Autoren in beiden Fällen als moderat. Ein Freibrief ist das nicht – die Zahl zur Lebendgeburt stammt aus einer einzigen Studie.

Fehlerquellen beim Testen: Tageszeit, Trinkmenge und Teststreifen-Schwelle

Tageszeit. Cahill DJ und Kollegen (1998) werteten bei 35 Frauen 155 Zyklen aus: 37 Prozent der LH-Anstiege begannen zwischen Mitternacht und 4 Uhr, weitere 48 Prozent zwischen 4 und 8 Uhr. An dem Tag, an dem der Anstieg einsetzt, kann der erste Morgenurin also noch den Wert von vorher zeigen. Daraus wird oft abgeleitet, man solle nicht mit Morgenurin testen. Plausibel – eine Vergleichsstudie dazu haben wir aber nicht gefunden, im Gegenteil: Park und Leiva haben bewusst mit dem ersten Morgenurin gearbeitet, weil er am höchsten konzentriert ist. Solange die Frage offen ist, ist zweimal tägliches Testen die Variante, die von ihrer Beantwortung nicht abhängt.

Trinkmenge. Bei Park und Kollegen wird der Hormonwert auf Kreatinin bezogen, um Unterschiede in der Urinkonzentration herauszurechnen. Ein Teststreifen sieht nur die absolute Konzentration – stark verdünnter Urin kann einen echten Anstieg unter die Schwelle drücken.

Markenwechsel mitten im Zyklus. Weil die von Leiva und Kollegen gefundenen Schwellen zwischen 20 und 50 liegen, sind Linien verschiedener Hersteller nicht vergleichbar.

Zu seltenes Testen. Bei Park und Kollegen begann der Anstieg bei knapp 43 Prozent der Frauen innerhalb eines Tages – einmal täglich kann diesen schnellen Typ verfehlen.

Wenn der Test nie positiv wird

Geh zuerst die naheliegenden Gründe durch: zu spät begonnen, zu selten getestet, verdünnter Urin, oder ein Anstieg unterhalb der Schwelle deines Streifens. Park SJ und Kollegen (2007) fanden Anstiege zwischen dem 2,5-Fachen und dem 14,8-Fachen des Ausgangswerts – bei flachem Verlauf bleibt die Testlinie blass.

Es gibt aber auch die andere Möglichkeit: Bei Park SJ und Kollegen (2007) hatten 3 von 46 Frauen im beobachteten Zyklus keinen LH-Anstieg. Und ein Anstieg garantiert umgekehrt keinen Eisprung – beim Syndrom des luteinisierten, nicht gesprungenen Follikels läuft er normal ab, ohne dass eine Eizelle freigesetzt wird.

Wenn über mehrere Zyklen kein Test positiv wird, deine Zyklen auffällig kurz oder auffällig lang sind oder die Blutung ausbleibt, ist das ein Grund für eine gynäkologische Abklärung.

Ovulationstest bei PCOS

Beim polyzystischen Ovarsyndrom ist der LH-Spiegel häufig dauerhaft erhöht. In der Auswertung von 1.741 Patientinnen durch Balen AH und Kollegen (1995) waren Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit bei LH-Werten über 10 Internationalen Einheiten pro Liter häufiger. Für den Teststreifen heißt das: Er kann über viele Tage positiv anzeigen, ohne dass ein Eisprung folgt. Dazu kommen vorzeitige Anstiege, denen kein Eisprung folgt.

Wertlos ist der Test damit nicht, allein aber nicht aussagekräftig. Bei Leiva und Kollegen erhöhte die Kombination aus positivem LH-Test und Zervixschleim vom fruchtbaren Typ die Spezifität auf 97 bis 99 Prozent, gegenüber 91 Prozent allein. Wie du bei unregelmäßigen Zyklen vorgehst, steht unter schwanger werden bei unregelmäßigem Zyklus. Worauf du dabei achtest, steht unter Zervixschleim beobachten.

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Häufige Fragen

Ab welchem Zyklustag sollte ich mit Ovulationstests beginnen?

Als Faustregel gilt Zykluslänge minus 18 Tage: bei 28 Tagen Zyklustag 10, bei 32 Tagen Zyklustag 14. Bei schwankenden Zyklen rechnest du mit deinem kürzesten Zyklus der letzten Monate. Bei Leiva RA und Kollegen (2017) war die Trefferquote höher, wenn ab Zyklustag 7 täglich getestet wurde statt nur um die Zyklusmitte.

Wie lange nach einem positiven Ovulationstest ist der Eisprung?

In der Regel innerhalb eines Tages. Der bei Su HW und Kollegen (2017) berichtete mittlere Abstand zwischen positivem Urin-LH-Test und dem im Ultraschall sichtbaren Follikelsprung lag bei 20 Stunden (14 bis 26). Die dort zitierte Laborleitlinie nennt als Regel 48 Stunden.

Ist ein schwacher zweiter Strich beim Ovulationstest positiv?

Nein. LH ist im Urin immer nachweisbar, ein schwacher zweiter Strich zeigt nur den Grundspiegel. Positiv ist der Test erst, wenn die Testlinie mindestens so kräftig ist wie die Kontrolllinie. Beim Schwangerschaftstest zählt dagegen jede sichtbare zweite Linie, weil hCG im nicht schwangeren Zyklus normalerweise nicht vorkommt.

Warum wird mein Ovulationstest nie positiv?

Am häufigsten, weil zu spät begonnen oder zu selten getestet wurde. Bei Park SJ und Kollegen (2007) begann der Anstieg bei knapp 43 Prozent der Frauen innerhalb eines Tages, und seine Höhe reichte vom 2,5-Fachen bis zum 14,8-Fachen des Ausgangswerts – bei flachem Anstieg bleibt die Testlinie unter der Schwelle. Wenn über mehrere Zyklen kein Test positiv wird, gehört das ärztlich abgeklärt.

Sollte ich den Ovulationstest mit Morgenurin machen?

Dazu gibt es keine belastbare Vergleichsstudie. Park und Leiva haben bewusst mit dem ersten Morgenurin gearbeitet, weil er am höchsten konzentriert ist. Cahill DJ und Kollegen (1998) zeigten aber, dass der LH-Anstieg bei 85 Prozent der Frauen zwischen Mitternacht und 8 Uhr beginnt – der Morgenurin kann an diesem Tag also noch den Wert von vorher zeigen. Wer sichergehen will, testet zweimal täglich.

Martina Schneider, Autorin

Über die Autorin

Martina Schneider schreibt auf Schwangerschaftschance.de über Kinderwunsch, Zykluswissen und die praktische Bestimmung der fruchtbaren Tage.

Geschrieben aus eigener Erfahrung, gesundheitsbezogene Angaben mit den unten genannten Quellen belegt. Ersetzt keine ärztliche Beratung. Wie diese Inhalte entstehen

Dieser Artikel basiert auf: Park SJ, Goldsmith LT, Skurnick JH, Wojtczuk A, Weiss G (2007), Characteristics of the urinary luteinizing hormone surge in young ovulatory women, Fertility and Sterility 88:684–690 · Leiva RA, Bouchard TP, Abdullah SH, Ecochard R (2017), Urinary Luteinizing Hormone Tests: Which Concentration Threshold Best Predicts Ovulation?, Frontiers in Public Health 5:320 (Corrigendum: Frontiers in Public Health 6:345, 2018) · Cahill DJ, Wardle PG, Harlow CR, Hull MGR (1998), Onset of the preovulatory luteinizing hormone surge – diurnal timing and critical follicular prerequisites, Fertility and Sterility 70:56–59 · Su HW, Yi YC, Wei TY, Chang TC, Cheng CM (2017), Detection of ovulation, a review of currently available methods, Bioengineering and Translational Medicine 2:238–246 · Erden M, Mumusoglu S, Polat M, Yarali Ozbek I, Esteves SC, Humaidan P, Yarali H (2022), The LH surge and ovulation re-visited, Human Reproduction Update 28:717–732 · Gibbons T, Reavey J, Georgiou EX, Becker CM (2023), Timed intercourse for couples trying to conceive, Cochrane Database of Systematic Reviews, CD011345.pub3 · Balen AH, Conway GS, Kaltsas G, Techatraisak K, Manning PJ, West C, Jacobs HS (1995), Polycystic ovary syndrome – the spectrum of the disorder in 1741 patients, Human Reproduction 10:2107–2111